
Den früheren Erzbischof verbanden ja viele Erinnerungen an die Andreaskirche, auf die er beim Weihegottesdienst in ganz persönlichen Worten an seine „Landsleute“ einging. Tag für Tag sei er als Volksschüler auf seinem Schulweg nach Kirchberg zwei Mal daran vorbeigegangen, denn die Kirche auf dem Berg lag in Sichtweite sowohl seines Eltern- wie auch Schulhauses. Wörtlich sagte Kardinal König in seiner Festpredigt:
“Auf meinem Schulweg entlang der Pielach habe ich mich immer gefragt, weshalb die Andreaskirche hier ihren einsamen aber festen Standplatz hat.“
Und weiter führte er aus:
„Heute erhalte ich die Antwort dafür: Sie ist das Ergebnis von Heimatliebe und Glaubenstreue!“
So verstehe er auch das Renovierungswerk, wofür er den Verantwortlichen von damals in besonderer Weise dankte: P. Paulus Müllner, damals Pfarrer von Rabenstein, und Abteilungsinspektor Franz Steinwendtner. Vor allem hob Kardinal König deren Initiative und Ausdauer hervor. Zugleich sprach er auch den 220 verzeichneten Helfern seinen Dank aus. Durch ihren Einsatz hatten sie in rund 8000 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden die Andreaskirche aus dem baufälligen Zustand gerettet.
![]() |
Jahrhunderte bewegter Geschichte umgeben die Andreaskirche, deren Bestehen schon im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt wird. In ihrer heutigen Form wurde sie im Jahr 1464 errichtet.



Mehrere Male wechselten die Besitzrechte auf das Gotteshaus und vor etwa 400 Jahren gab es eine schwierige Epoche zu überstehen, als unselige Glaubenskämpfe ausgebrochen waren. Damals wurde die Kirche für längere Zeit der einzige Ort in der Gegend, an dem sich Gläubige zu katholischen Gottesdiensten versammelten. Aus Beschädigung und Plünderung konnte sich die Andreaskirche aber immer wieder erheben - dank der Glaubenstreue der Menschen in ihrer Umgebung. Für sie blieb sie Versammlungsort bei Messfeiern und Andachten. Bis ins 19. Jahrhundert fanden rund um die Andreaskirche noch viele Verstorbene ihre letzte Ruhestätte.
Danach wurde es allmählich still um die Andreaskirche, besonders als in der Ortsmitte von Tradigist im Jahr 1897 mit der Marienkapelle ein neues Zentrum für kirchliche Feiern entstanden war. Immer schwieriger und kostspieliger gestalteten sich außerdem Reparaturen, die nur mehr fallweise ausgeführt wurden; von einer umfassenden Restaurierung ganz zu schweigen. Die leidvollen Zeiten zweier Weltkriege, die mit wirtschaftlicher Not einhergingen, ließen die Belange der Andreaskirche nach und nach aus dem Gedächtnis verschwinden.
Lediglich Bittprozessionen und Gottesdienste am „Andreastag“, die am Festtag des Kirchenpatrons - 30. November - gefeiert wurden, rückten das zunehmend baufällig gewordene Gotteshaus in Erinnerung. Kirchliche Feiern konnten nur so lange stattfinden, als für die Kirchenbesucher keine Gefahr bestand. Als aber durch kaputte Fenster bzw. ein schadhaftes Dach Wind, Regen und Schnee ungehindert eindringen konnten und das Herabfallen von Verputz und Mauerresten massive Schäden verursachten, war die Schließung der Kirche in den 1960er Jahren unbedingt notwendig geworden.
Das Schicksal der Andreaskirche schien fast schon besiegelt, doch dann kam Abteilungsinspektor Franz Steinwendtner, der in Rabenstein wohnte, in Kirchberg seinen Dienst versah und täglich an der Andreaskirche vorbeifuhr. Irgendwann hatte sich in ihm die Idee festgesetzt, dass man für die Kirche am Berg „etwas tun müsste, um sie vor dem Verfall zu retten“. Damit konnte er auch andere Menschen begeistern und noch mehr überzeugen, dass nicht alles Alte unansehnlich wäre und dem Abriss zum Opfer fallen sollte, sondern durchaus restaurierungswürdig sei. In Pfarrer P. Paulus Müllner fand er für seinen Plan einen Partner mit der gleichen Einstellung. Beide wussten jedoch, dass ein Renovierungsvorhaben wie dieses mit Einzelaktionen nicht zu lösen war, sondern auf eine breite Basis gestellt werden musste.
So entstand das „Komitee zur Erhaltung der Andreaskirche“, in das Baufachleute und zuständige Institutionen wie das Bundesdenkmalamt eingebunden wurden. Bei allem Eifer war man dennoch auf Spenden angewiesen, auf denen die Finanzierung ruhte. Konzepte für die Vorgehensweise bei den Restaurierungsarbeiten wurden erstellt, nötige Materialien beschafft und vor allem viele Mitarbeiter gewonnen. Ob an „Aktionstagen“ zum Wochenende oder wiederholt zwischendurch in Gruppen und von Einzelpersonen erbrachte Leistungen - immer mehr fügte sich das Puzzle zu einem Ganzen. Wie ein Stein, der ins Wasser fällt und immer weitere Kreise zieht, so war es auch bei diesem Renovierungswerk, das Breitenwirkung zeigte. Schließlich empfanden alle Mitwirkenden berechtigten Stolz, dass sie „dabei waren“ und mitgeholfen hatten.
Der Weihetag der Andreaskirche, 31. August 1986, erfüllte schließlich die ganze Bevölkerung mit großer Freude. Bald wurden darin auch Hochzeiten gefeiert, Taufen gespendet und führten Prozessionen wieder dorthin, kurzum: kirchliches Leben war in das Gotteshaus zurückgekehrt. Darüber hinaus erfreut sich die Andreaskirche seit ihrer Restaurierung unter Musikfachleuten wegen ihrer guten Akustik großer Beliebtheit; bisherige Chor-, Kammermusik- und Popkonzerte waren stets gut besucht.
|
Ein Jahr nach der Kirchweihe erhielt die Andreaskirche am 6. Sept. 1987 mit der „Andreasglocke“ ein neues Geläute. Frau Franziska Schnabl hatte die Patenschaft übernommen. |
|
Im Rahmen eines Festgottesdienstes wurde von Abt Clemens am 30. August 1992 sogar eine neue Orgel geweiht. Große Temperaturschwankungen setzten dem Instrument allerdings im Laufe der Jahre massiv zu und machten einen Abbau schließlich unumgänglich. Im Zeitraum 2009 bis 2011 wurden von zahlreichen Helfern Drainagearbeiten sowie wichtige Verblechungen im Außenbereich durchgeführt, die das Gotteshaus seither vor Feuchtigkeitsbefall schützen.
So froh der Blick zurück über die gelungene „Rettungsaktion“ der Andreaskirche macht, so notwendig ist es auch nach vorne zu schauen. Der Idealismus, mit dem die Restauratoren von damals zu Werke gingen, ist zugleich der Auftrag an das Heute -und damit an uns - alles zu tun, um dieses Gotteshaus auch in Zukunft in einem würdigen Zustand zu erhalten. Zudem gilt es den unermüdlichen „Kirchenvater“ Karl Scheikl in seinem Bemühen zu unterstützen, wenn die eine oder andere Bitte von ihm um Mithilfe ausgesprochen wird. Wie damals muss die Andreaskirche unser aller Anliegen bleiben!
Mögen der Andreaskirche weiterhin viele Gedenkgottesdienste zu ihrem Weihetag gegönnt sein!
Roman Daxböck
